Zitate

this is crazy, you know. we are talking about this little prick called ego. ego loves competition, right? because, for someone to win somebody has to loose. but the paradox is that, you know, true art, true individual expression, as all the work of these incredible fellow filmmakers, can't be compared, can't be labeled, can't be defeated because they exist and our work only will be jugded - as always - by time.

Es ist verrückt, wisst ihr? Wir reden über dieses kleine Ego-Schwein. Ego liebt Wettbewerbe, klar! Weil, damit jemand gewinnen kann muss ein anderer verlieren. Aber das Paradoxe ist, wisst ihr, dass wahre Kunst, wahrhaftiger individueller Ausdruck - so wie alle diese Arbeiten meiner unglaublichen Filmemacher-KollegInnen - kann nicht verglichen, nicht etikettiert und nicht besiegt werden, weil sie existieren und unsere Arbeit wird nur - wie immer - von der Zeit beurteilt werden.

Alejandro González Iñárritu

Mir gefallen diese Worte und die Selbstironie - auch wenn es vielleicht Koketterie ist, weil die Oscar-Verleihung ist ja nichts anderes als eine Riesenparty für den kleinen Ego-Schweinehund, und wenn man das wirklich kritisch sieht, dann sollte man vielleicht nicht hingehen und sich auch nicht verführen lassen durch die Bewertung der Academy.

Earth provides enough to satisfy every man’s need but not for every man’s greed.

Die Erde gibt uns genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

Mohandas Karamchand Ghandi

Anand und Lindley zitieren Pyarelal Nayyar, den persönlichen Sekretär Ghandis, der diesen Satz in seinem biographischen Werk über Ghandi in den Bänden "The Last Phase" festgehalten hat.

Gandhi on Providence and Greed. By Y. P. Anand and Mark Lindley

„…..Erinnert mich daran, daß ich für meinen Teil eine starke Verwandlungsfähigkeit habe. Gestern Abend auf dem Nachhauseweg hätte ich mich als Zuschauer mit Tucholski verwechseln können. Das fremde Wesen muss dann in mir so deutlich und unsichtbar sein, wie das Versteckte in einem Vexierbild, in dem man auch niemals etwas finden würde, wenn man nicht wüsste daß es drin steckt. Bei diesen Verwandlungen möchte ich besonders gern an ein Sichtrüben der eigenen Augen glauben.“

Franz Kafka

Karl Mätzler, mit dem ich seit langem befreundet bin, hat in Salzburg Menschen zu Orten begleitet, die für sie wichtig sind, und sie dort fotografiert. Die Abgebildeten sind BesucherInnen des Salzburger Saftladens, einer Einrichtung des Vereins NEUSTART, und gehören nicht unbedingt zu den gehobeneren Schichten der Stadt. In ihren Worten zur Eröffnung der Ausstellung zitierte Ruth Mätzler den obigen Ausschnitt aus dem Tagebucheintrag Kafkas und fügte hinzu: "Ich freue mich sehr darauf, heute in der Ausstellung mit Ihnen gemeinsam zu finden, wonach wir vielleicht gar nicht gesucht hätten, wenn es die Besucher des Saftladens uns nicht gezeigt, Karl Mätzler es nicht fotografiert und Martin Schmidbauer es nicht aufgeschrieben hätte." Ich mag dieses Bild, das neugierig macht und den Gedanken weckt, in der Welt, die mir oft so festgefügt erscheint, könnten jede Menge unbekannter Dinge stecken, wert, nach ihnen zu suchen. Interessant übrigens: Kafka spricht nicht von der Außen- sondern von seiner Innenwelt, die ihn an ein Vexierbild erinnert. Entdecken wir durch die Fotos der Menschen am Rand der Salzburger Gesellschaft letztlich Unbekanntes in uns selbst?
Buchtipp: Karl Mätzler, Salzburg für alle, Edition Tandem

Tagebücher, Eintragung vom 30. September 1911 (Gutenberg-Projekt)

Ruth Mätzler, Gedanken zum Titelbild der Fotoausstellung "Salzburg für alle" von Karl Mätzler, vorgetragen bei der Vernissage am 9. Oktober 14 im Salzburger Saftladen

The power of money begins with the lawyers' education at Westminster, and leads them not only to sell justice to the highest bidder, but to make the law intentionally obscure.

Die Macht des Geldes beginnt mit der Erziehung der Juristen (Anwälte) in Westminster und führt sie nicht nur dazu, das Recht an den höchsten Bieter zu verkaufen, sondern auch dazu, Gesetze absichtlich unklar zu formulieren.

Arthur B. Ferguson

Ferguson beschäftigt sich in seinem Buch damit, wie in der englischen Renaissance öffentliche Diskussionen entstanden sind. Als Startpunkt für seine historische Untersuchung wählt er das Ende des 14. und das beginnende 15. Jahrhundert, in dem Schritt für Schritt die öffentliche Erörterung von Missständen und von Vorschlägen zu ihrer Beseitigung beginnt. Ein wichtiges Thema dieser Diskussionen war das (schlechte) Funktionieren der Justiz. Aus diesem Abschnitt stammt das Zitat aus John Gowers 30.000 Zeilen-Gedicht "Mirour de l'omme" (ca. 1370), dem letztlich nach wie vor Aktualität zukommt.

The Articulate Citizen and the English Renaissance, Duke University Press, Durham, NC/USA, 1965, S.52

"If .. we examine the early Tudor literature of analysis and prescription, not only in itself and in relation to its own day, but also in relation to analogous expression in the preceding century and a half, certain tendencies become apparent. Most noticeable, and no doubt, most important, is what may be called a trend toward reality."

Wenn wir .. die analytische und Vorschläge (Rezepte) entwickelnde Literatur der frühen Tudor-Zeit untersuchen, nicht nur für sich und in Beziehung zu ihrer eigenen Zeit sondern auch in Beziehung zu analogen Ausdrucksformen in den vorangehenden eineinhalb Jahrhunderten, so werden bestimmte Tendenzen sichtbar. Am bemerkenswertesten, und ohne Zweifel am wichtigsten, ist was man als Trend zur Wirklichkeit bezeichnen kann.

Arthur B. Ferguson

Die Einleitung zum Buch mit dem anregenden Titel "Der sprachgewandte Bürger und die Englische Renaissance" fasst Ferguson die wichtigsten Ergebnisse seine Untersuchung zusammen. Der Hinweis auf die Hinwendung zur Wirklichkeit hat mich besonders beeindruckt. Er führt nach dem Zitat noch genauer aus, dass der Blick auf die Gesellschaft bis dahin "sub specie aeternitatis" - unter dem Blickwinkel der Ewigkeit - erfolgte und es eine wirkliche Neuerung darstellte, im Konkreten und Greifbaren einen Erfahrungsbereich zu erkennen, der der Analyse nach seinen eigenen beobachtbaren Charakteristika zugänglich war, ohne notwendigerweise auf transzendente aus einem göttlichen Plan ableitbare Faktoren Bezug zu nehmen.

Der Trend zur Wirklichkeit ist - leider - noch nicht abgeschlossen. An die Stelle des göttlichen Plans als irrationalem Fluchtpunkt treten Ideologien der Vernunft in den Weg und verbauen den Weg zur Lösung von Problemen mit den Mitteln, die uns Menschen gegeben sind: Wissen, Erfahrung, Austausch, Kritik und Diskussion.

The Articulate Citizen and the English Renaissance, Duke University Press, Durham, NC/USA, 1965, S.XIV

How ... should a commonwealth be ordered? What is the nature of the social organism? What place has the articulate citizen himself in the business of government? What are the qualifications for the effective discharge of such responsibility? What are the possibilities and limitations inherent in the process of social analysis, especially the analysis of causal forces? To what extent is it possible, by the application of mind to policy, to shape a people's environment?

Wie soll ein Gemeinwesen organisiert sein? Was ist die Natur des gesellschaftlichen Organismus'? Welchen Platz hat der politisch bewusste Bürger in einem Regierungssystem (Welchen Platz hat der Bürger, der sich äußert/artikuliert, im Rahmen der Ausübung von Regierungsgewalt)? Welche Qualifikationen braucht es, um dieser Verantwortung (wirkungsvoll) gerecht zu werden? Was sind die Möglichkeiten und Grenzen im Prozess der sozialen Analyse, inbesondere der Analyse grundlegender (ursächlicher) Kräfte? In welchem Ausmaß ist es möglich, die Umwelt eines Volkes (einer staatlichen Gemeinschaft) durch geistige Leistungen zu beeinflussen (gestalten)?

Arthur B. Ferguson

Im Vorwort zu seinem Buch "The Articulate Citizen and the English Renaissance" (übersetzt etwa: Der politisch bewusste Bürger und die Renaissance in England) stellt Ferguson die Fragestellungen vor, denen er bei der Untersuchung von Literatur (insb. von Pamphleten) der frühen Tudor-Zeit nachgeht. Die Untersuchung Fergusons betrifft den Zeitraum des Übergangs vom mittelalterlichen zum modernen Denken. Die zitierten Fragestellungen finde ich sehr anregend auch für das Verständnis unserer Zeit, vor allem die Frage nach der Verantwortung des bewussten (articulate) Bürgers im Rahmen der Steuerung der Gesellschaft (in the business of government).

Anmerkung zur Übersetzung: Die Wirkung des englischen Wortes "articulate" auf einen deutschen Muttersprachler lenkt die Aufmerksamkeit - gerade im Zusammenhang mit Politik - auf die Bedeutung, die das Artikulieren von Anliegen, Bedürfnissen und Beschwerden für den politischen Prozess hat. So bin ich geneigt, den "articulate citizen" als den Bürger zu sehen, der in der Lage ist, sich zu artikulieren. Ein Blick in dict.cc zeigt, dass die Übersetzung auch ganz einfach klingen kann, nämlich "die sprachgewandte BürgerIn". Ich bin - auch wenn's sprachlich ein bissl holpert - bei meiner obigen Übersetzung meinem Erstimpuls gefolgt.

The Articulate Citizen and the English Renaissance, Duke University Press, Durham, NC/USA, 1965, S.XIII

But, as so often happens, on both sides it was the radical tail which wagged the moderate dog.

Aber, wie so oft, auf beiden Seiten war es der radikale Schwanz, der mit dem gemäßigten Hund wackelte.

Lawrence Stone

Stone verwendet diese Redewendung in Bezug auf die Ereignisse, die zum Bürgerkrieg in England bzw. - wie Stone diese Ereignisse bezeichnet - zur Englischen Revolution um die Mitte des 17. Jahrhunderts führten. Die Redewendung trifft auf viele politische Brandherde zu.

The causes of the English Revolutio 1529 - 1642, S.141

... deprivation is relative not absolute, and has to be measured against some identified reference group; .. deprivation leads to frustration, which often can find relief only in aggression; ... aggression is frequently directed not against the true source of the trouble but against a scapegoat. The scapegoat is primarily identified not by its economic but by its cultural distinctiveness ...

... Mangel ist relativ, nicht absolut und muss im Vergleich zu einer Referenzgruppe gemessen werden. Mangel führt zu Frustration, die sich oft durch Aggression Erleichterung verschafft. Diese Aggression richtet sich häufig nicht gegen die wirkliche Ursache des Problems sondern gegen einen Sündenbock. Dieser wird in erster Linie nicht aufgrund seiner ökonomischen sondern seiner kulturellen Merkmale ausgewählt ...

Lawrence Stone

Das Zitat stammt aus einer Passage, in der Stone seine Interpretation der Ereignisse im letzten Jahrhundert vor der Englischen Revolution im Jahr 1642 zusammenfasst. Einige Zeilen listet er die vielen Widersprüche in der Gesellschaft des frühen 17. Jahrhunderts auf: Zwischen reich und nicht so reich, zwischen Land und der City, zwischen dem Land und dem Hof, zwischen den Counties, zwischen Bischöfen und niedrigem Klerus, zwischen hohem und niedrigem Adel, zwischen Puritanern und Arminianern, usw. Bermerkenswert findet er, dass die gesellschaftliche Frustration in dieser Situation sich nicht an einer machtlosen Minderheit entlädt, sondern dass die Regierung selbst zum Sündenbock für die vielen Probleme dieser Gesellschaft wurde.

The causes of the English Revolutio 1529 - 1642

Much of the political friction of the early seventeenth century was generated by resentments, jealousies and tensions arising from the rise to wealth of new social groups and the decline of others, and by the fumbling and corrupt way in which the administration handled the changing situation.

Ein großer Teil der politischen Reibungen im frühen siebzehnten Jahrhundert (in England) wurde durch Ressentiments, Eifersüchte und Spannungen erzeugt, die der Aufstieg neuer sozialer Gruppen zu Reichtum und der Abstieg anderer verursachte - und durch die ungeschickte und korrupte Art und Weise, wie die Regierung mit der veränderten Lage umging.

Lawrence Stone

Im Abschnitt "The development of the disequilibrium - 1529 - 1629" beschreibt Stone die Anfänge der Industrialisierung, vor allem auch im Bereich der Textilindustrie, in England. Er ist vorsichtig, eine unmittelbare Kausalität zwischen dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Revolution des Jahres 1642 herzustellen. Was er aber hervorhebt, ist die Auflösung alter Bindungen, die diese wirtschaftliche Entwicklung bewirkte, und die steigende Bedeutung von Beziehungen, die am Markt geknüpft wurden (dissolving old bonds and obligations and creating new relationships founded on the operations of the market)

Stone, Lawrence: The causes of the English Revolution 1529 - 1642

Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuentwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun. ... Dass aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja, es ist, wenn man ihm nur die Freiheit lässt, beinahe unausbleiblich.

Immanuel Kant

Ich stimme Kant nicht zu. Vernunft und Entwicklung aus der Unmündigkeit sind nicht unausbleiblich, weil ein Publikum, dem man die Freiheit lässt, diese gar nicht immer will. Zu mühsam. Trotzdem ist dieses Fundstück im Buch von Roger Chartier wunderbar.

Roger Chartier zitiert in "Die kulturellen Ursprünge der französischen Revolution" aus Kants Aufsatz "Was ist Aufklärung?" Chartier, Roger: Die kulturellen Ursprünge der Französischen Revolution", dt. Ausgabe 1995, Campus (franz. Ausgabe 1991).

Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, Berlin 1784