Zitate

Omar Chayyam in the United States was a sensation and was very much part and parcel in a way to the cultural changes, the explosive array of changes, occurring in the United States in the late 19th century and early 20th century.
Americans seized upon the impulses of „live for the moment“, the emphasis upon material pleasure and an emphasis on fate and a world that is uncertain. And interestingly a text that starts out as a kind of high cultural product becomes quickly massified.
In some ways it has become indivisible from a broader American way of life and thinking.
There is a tendency to forget history in the ways … contemporary geopolitical problems have overshadowed our cultural memory of a Persian poet astronomer and mathematician who was the product of an incredibly cosmopolitan medieval Persian world that Americans today in a kind of polarity of Islam and Christianity as an inevitable clash have simply forgotten.

Omar Chayyam war in den Vereinigten Staaten eine Sensation und war unmittelbar Teil der kulturellen Änderungen, der explosiven Reihe von Änderungen im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.
Die Amerikaner haben die Impulse "im Augenblick zu leben", die Betonung auf materielle Genüsse und die Betonung auf das Schicksal in einer unsicheren Welt offen aufgegriffen. Und interessanter Weise erhielt ein Text, der als Produkt der Hochkultur bekannt wurde, rasch die Aufmerksamkeit der Massen.
In gewisser Weise wurde die Lyrik von Omar Chayyam untrennbarer Bestandteil der amerikanischen Lebensart und Denkweise.
Es gibt in der Geschichte eine Tendenz zu vergessen. Aktuelle geopolitische Probleme haben einen Schatten auf unser kulturelles Gedächtnis an einen persischen Poeten, Astronomen und Mathematikier geworfen, der das Produkt einer unglaublich kosmopolitischen mittelalterlichen persischen Welt war und den die Amerikaner heute in der Polarität zwischen Islam und Christentum als eines unvermeidlichen Zusammenpralls schlicht und einfach vergessen haben.

Janet M. Davis

Ich habe heuer (2017) im Frühjahr den Roman von Dževad Karahasan "Der Trost des Nachthimmels" gelesen, dessen Geschichte im 11./12. Jahrhundert spielt und desssen Hauptfigur Omar Chayyam ist. Aus Anlass dieser Lektüre habe bin ich auf unterschiedliches Material gestoßen, u.a. auf die BBC Dokumentation "Iran and Persia - Omar Chayyam, The Poet of Uncertainty". Interessant, wie durch historische Zufälle und eine zunächst erfolglose Übersetzung Chayyams ins Englische durch Edward FitzGerald ein persischer Poet des 11./12. Jahrhunderts fast 900 Jahre nach seinem Tod in den USA so populär wird, dass er als "part and parcel", als untrennbarer Bestandteil einer wichtigen Epoche bezeichnet wird.

BBC Documentation Iran and Persia - Omar Chayyam The Poet of Uncertainty Video 4/5

Standard (Renate Graber): Sie sind seit 38 Jahren in Wien ...
Leonskaja: Oijoijoi, wie das klingt.
Standard: ... fühlen sich aber nicht als Wienerin. Ihre Heimat ist Russland, woher Ihre Eltern stammten?
Leonskaja: Nein, meine Heimat ist die russische Sprache und die russische Kultur.
Standard: Was davon haben Sie sich bewahrt?
Leonskaja: Den Zustand der Seele.
Standard: Wie ist die russische Seele beschaffen?
Leonskaja: Frei.
Standard: Und immer im Kampf um die Freiheit?
Leonskaja: Eben nicht mit Kampf. Der seelische Zustand ist nicht von Äußerlichkeiten abhängig, vielleicht weil die Russen das Leben in schwierigen Umständen gewohnt sind. Deswegen wundere ich mich immer, dass die Menschen in Wien so wenig lächeln, so bekümmert sind. Obwohl sie in so einer herrlichen Stadt leben.

Elisabeth Leonskaja

Der Standard, 17. Dezember 2016, S.8

Like some of the slogan words we use today, it [the term "commonwealth"] became a formula everyone thought he understood and felt free to adapt to whatever situation he found himself in. It could, and usually did, mean something like the state, an English equivalent of the latin respublica - sometimes interpreted narrowly in the sense simply of government, sometimes more broadly to denote the national community considered in its social as well as in its political or constitutional aspects.

Wie manche unserer Slogans heute war der Begriff Commonwealth eine Formel, die jeder zu verstehen glaubte und ohne Umschweife an seine Situation anpasste. Der Begriff konnte den Staat bezeichnen (und wurde häufig auch so verstanden), ein englisches Äquivalent zur römischen res publica, manchmal auch ganz eng interpretiert als Regierung, manchmal breiter verstanden, um die nationale Gemeinschaft zu bezeichnen in ihren sozialen und politischen und auch in ihren verfassungsrechtlichen Aspekten.

Arthur B. Ferguson

Mir gefällt zum einen die Beobachtung, dass sich in einer Sprache Begriffe bilden können, die für alle bzw. viele attraktiv sind und gerne verwendet werden, ohne dass es eine klare Übereinkunft gibt, was der Begriff bedeutet. Zum anderen ist der Begriff "commonwealth" interessant, der im Deutschen keine wirkliche Entsprechung hat - zum Teil Gemeinwohl, sicher, aber das deckt nur einen kleinen Teil des Bereichs ab, der im Englischen damit angesprochen wurde. Dass der Staat selbst als Commonwealth angesprochen wird und dass dieser Begriff so lange eine so große Bedeutung hatte (auch heute noch?) ... man möchte fast neidisch werden auf die Engländer.

Ferguson, Arthur B.: The Articulate Citizen and the English Renaissance. Durham N.C. 1965

Dieses Buch wird untersuchen, in welcher Weise unser Verständnis der Welt, wie sie ist, und der Welt, wie sie sein sollte, durch verschiedene Erfahrungen gefördert - und behindert - wird. Es wird die These vertreten, dass Erwachsensein selbst ein Ideal ist: ein subversives Ideal, das niemals vollkommen erreicht wird, nach dem zu streben sich aber umso mehr lohnt.

Susan Neiman

Neiman, Susan: Warum erwachsen werden. Eine philosophische Ermutigung.Berlin 2014

Much easier is it to spy a hundred faults in a common weal than to amend one, even like as it is in man's body of corporal diseases, they which of every man may well be perceived, but of every man they cannot be cured.

Viel leichter ist es, 100 Fehler in einem Gemeinwesen aufzuspüren als einen einzigen zu korrigieren, genau so wie es ist bei den Krankheiten, die man bei jedem Menschen wohl entdeckt, die aber nicht bei jedem Menschen geheilt werden können.

Thomas Starkey

In seinem Dialog lässt Starkey Pole aussprechen, was wir alle wissen, aber in unserem politischen Reden und Tun viel zu wenig beachten: Wir dürfen uns nicht damit begnügen, Fehler und Mängel unseres Gemeinwesens zu erkennen und zu diskutieren, wir müssen mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, Lösungen nicht nur finden, sondern sie auch umsetzen. Unmittelbar anschließend an das Zitat sagt Pole genau das (lässt Starkey Pole genau das sagen).

Bei der Beobachtung aktueller öffentlicher Debatten möchte man das Zitat ergänzen: Es scheint auch größeren Lustgewinn zu bringen, Zustände zu kritisieren als sich an der Suche und Umsetzung von Lösungen zu beteiligen. Aus diesem Blickwinkel scheint Demokratie heute eher als Mistkübel unterschiedlichster Projektionen (miss)verstanden zu werden denn als Plattform unserer gemeinsamen Selbststeuerung.
Nachsatz: Was den medizinischen Teil des Zitats anlangt, wäre Starkey wohl überrascht, wie viele Krankheiten (und v.a. auch wie vieler Menschen Krankheiten) heute bereits geheilt werden können.

Dialogue between Cardinal Pole and Thomas Lupset, S.135 (1536-38)

Ferguson, Arthur B., The Articulate Citizen and The English Renaissance, Durham/NC 1965, S.321

"Ich mach mir keine Illusionen darüber, dass es einer gewaltigen Integrationsleistung bedarf, für uns und für die Flüchtlinge. Wir werden auf diesem Weg Frustration erleben, wir werden Skepsis erleben und gewiss auch Rückschläge. ... " ... "Ich bin überzeugt, wenn wir die Anstrengung nicht scheuen und aus Fehlern verfehlter Integration früherer Zeiten lernen, werden wir in 20 Jahren zurückschauen und sagen: Das ist ein riesiger Erfolg für Deutschland geworden."

Ursula van der Leyen

Erstaunlich, wie offen, realistisch und angstfrei deutsche PolitikerInnen (Politikerinnen?) über die Herausforderung reden können, die mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik verbunden ist und mit ihrer Entschlossenheit (hoffentlich erfolgreich) jene gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren versuchen, die für das Gelingen der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen nötig sind.

profil nr.40/2015 s.59 und pocketstory/Spiegel

Das, was an Solidarität jetzt spürbar ist, ist eine traurige Solidarität, eine Stille in unserer Stadt. Viele Menschen sind gekommen. Sie legen Blumen nieder, sie stellen Kerzen auf, sie wollen ein Zeichen setzen und ich glaub, das ist einmal das erste wichtige Signal. Es gab sofort welche, die mit Vorurteilen losgelegt haben, denen möchte ich nur ins Stammbuch schreiben, die Gemeinschaft braucht Zusammenhalt und niemanden, der sie spaltet.

Siegfried Nagl

Siegfried Nagl wird am 20.6.2014 zu den Folgen der Tat eines Amokfahrers auf die Stadt befragt und stellt klar, was die Stadt in dieser Situation braucht - und was sie nicht braucht.

Spät-Zib vom 20. Juni 2014

Es war ein unglaubliches Privileg, einen derartigen Einblick in die Vernetztheit unseres gesellschaftlichen Miteinanders zu bekommen, ...

Franz Voves

Interessanter - auch ein wenig kryptischer - Hinweis von Franz Voves bei seiner Abschiedspressekonferenz auf seine Lernerfahrung als Landeshauptmann der Steiermark.

Within the embryonic public .. the small but self-conscious and increasingly influential group of humanist scholars and publicists formed an exceedingly fertile nucleus. The new studies, reflecting not only the civic humanism of the Italian Quattrocento but also the utilitarian and reforming tendencies of northern humanism, made it possible for discussion of public issues to be carried on within a context of examples and values which, though derived from a fresh, more or less historical interpretation of classical antiquity, nevertheless proved much more suitable to the life of sixteenth-century Englishmen than the values and models inherited from medieval culture.

Innerhalb dieser sich embryohaft entwickelnden Öffentlichkeit bildete die selbstbewusste und immer einflussreichere Gruppe der humanistischen Gelehrten und Publizisten einen fruchtbaren Kern. Die neuen Studien, die nicht nur den bürgerlichen Humanismus des italienischen Quattrocentos sondern auch die utilitaristischen und reformerischen Tendenzen des Humanismus' des Nordens reflektierten, machten es möglich, öffentliche Angelegenheiten in einem Kontext von Beispielen und Werten zu diskutieren, der, obwohl von einer neuen mehr oder weniger historischen Interpretation der klassischen Antike abgeleitet, sich dennoch nützlicher für das Leben der Engländer des sechzehnten Jahrhunderts erwies als die von der mittelalterlichen Kultur überkommenen Werte und Modelle.

Arthur B. Ferguson

Was ich an diesem Absatz spannend finde, ist der Rückgriff auf Errungenschaften einer früheren Kultur, deren Erben die "Englishmen" keineswegs waren und die nur indirekt über Italien nach Britannien gelangten. Eine wirklich spannende Fähigkeit, die Herausforderungen seiner Zeit mit Denkmustern, Ideen und Modellen einer ganz fernen Kultur - der zeitliche Abstand betrug damals schon fast 2000 Jahre - anzugehen.

The Articulate Citizen and the English Renaissance, Duke University Press, Durham NC/USA, 1965, S.135

this is crazy, you know. we are talking about this little prick called ego. ego loves competition, right? because, for someone to win somebody has to loose. but the paradox is that, you know, true art, true individual expression, as all the work of these incredible fellow filmmakers, can't be compared, can't be labeled, can't be defeated because they exist and our work only will be jugded - as always - by time.

Es ist verrückt, wisst ihr? Wir reden über dieses kleine Ego-Schwein. Ego liebt Wettbewerbe, klar! Weil, damit jemand gewinnen kann muss ein anderer verlieren. Aber das Paradoxe ist, wisst ihr, dass wahre Kunst, wahrhaftiger individueller Ausdruck - so wie alle diese Arbeiten meiner unglaublichen Filmemacher-KollegInnen - kann nicht verglichen, nicht etikettiert und nicht besiegt werden, weil sie existieren und unsere Arbeit wird nur - wie immer - von der Zeit beurteilt werden.

Alejandro González Iñárritu

Mir gefallen diese Worte und die Selbstironie - auch wenn es vielleicht Koketterie ist, weil die Oscar-Verleihung ist ja nichts anderes als eine Riesenparty für den kleinen Ego-Schweinehund, und wenn man das wirklich kritisch sieht, dann sollte man vielleicht nicht hingehen und sich auch nicht verführen lassen durch die Bewertung der Academy.